✽•*¨*•๑✿๑★ Autoreninterview ★๑✿๑•*¨*•✽

1. Wer ist Christiane Kördel? Magst du dich mal vorstellen?

Ich bin Schriftstellerin. Oh, wie überraschend, wird man da denken. Aber für mich ist das tatsächlich immer noch eine große Sache, es zu sagen, niederzuschreiben und vor allem, es zu sein. Über 25 Jahre war ich Geschäftsführerin in einem Softwareunternehmen. Darauf war ich recht stolz, weil wir Bemerkenswertes geleistet haben, auch sozial und ökologisch. Aber jetzt bin ich Autorin. Schriftstellerin. Wie das schon klingt! Das ist so wunderbar. Als wäre ich jetzt endlich die Person, die ich bestimmt war, zu sein, die Person, die ich immer werden wollte, und von der ich nichts ahnte. Mein Leben 2.0. Aber fange ich von vorne an: Ich bin in Konstanz am Bodensee geboren, aufgewachsen und geblieben, will heißen, ich bin da immer noch, seit über 50 Jahren schon, und wohne zusammen mit dem besten Schriftstellerinnengefährten aller Zeiten und Hund nahe am See.
Ich habe es nett in jeder Hinsicht. Aber selbst von solch einer Traumkulisse muss man öfter weg, weil geboren, aufgewachsen, geblieben … trotz der hinreißenden Schönheit unserer Landschaft kann ich gelegentlich gut nachvollziehen, was ein Seekoller ist. Ich genieße es sehr, dass ich frei bin, dass ich schreiben kann, wo und wann und worüber ich möchte. Meine Mission: Leser untertauchen und erfrischt wieder auftauchen lassen. Und die
nehme ich ernst. Das sollte man auch. Wer auf Mission ist, muss alles daran setzen, dass sie gelingt. Ich erreiche das mit dem Genre Krimikomödie, Tatort Konstanz am Bodensee und anderswo, wo es schön ist. Ich mixe Mord, Spannung, Wortwitz, Absurdes und Romantik zu einem Krimi, der sich nicht immer wie ein Krimi anfühlt, weil er locker und humorvoll daher kommt. Mein drittes Gute-Laune-Buch „Seekoller“ habe ich gerade im Juni 2018 veröffentlicht.

2. Die wohl meistgestellte Frage: Wie bist du zum Schreiben gekommen? Oder seit wann schreibst du?

In meinem Leben 1.0 als Geschäftsführerin im Bereich Marketing, Vertrieb, Personal und Finanzen habe ich immer viel und gerne geschrieben. Natürlich keine Fiktion, sondern Handfestes, von der Korrespondenz über Prospekte und Konzepte bis hin zu Verträgen. Das klingt trocken, verglichen mit einer Krimikomödie ist es das auch, es hat sich aber nie so angefühlt. Mein erstes Buch „Seezeichen 13“ hatte ich schon vor vielen Jahren angefangen, ohne dass es einen Titel gehabt hätte, ohne dass ich es als Buch betrachtet hätte, was ich da aufschrieb. Es glich mehr einer längeren Aktennotiz. Seinen Anfang nahm alles auf der Seestraße in Konstanz. Dort standen eines Morgens tatsächlich ein Paar Damenschuhe. Es waren keine High Heels wie in meinem Buch, es klebte auch kein Blut daran, aber da standen ein Paar halbhohe schwarze Damensandaletten, mutterseelenallein. Und als ich sie so stehen sah, fing es in mir an zu arbeiten. Warum stehen die da? Was ist mit der Dame passiert? Wie ist deren Abend oder Nacht verlaufen? Das hat mich damals so beschäftigt, dass ich es, kaum wieder zu Hause, niederschrieb. Diese Seiten verschwanden als besagte Aktennotiz in den Tiefen meines PCs
und wurden erst Jahre später wieder ausgegraben. Herauskam mein erstes Buch „Seezeichen 13“, das ich Anfang 2016 veröffentlichte, es folgte „Seeblick kostet extra“ im Juni 2017 und „Seekoller“ im Juni 2018. Im Zentrum von allen drei Folgen der Reihe steht Ines Fox, eine eigenwillige Jungunternehmerin, die sich durch ihre Neugier mitten rein bringt in Kriminalfälle und
Schwierigkeiten. Im Moment ist noch nicht abzusehen, wann sie damit aufhören wird.

3. Wie ist denn die Protagonistin Ines Fox entstanden?

Einfach so beim Schreiben, wie bei mir fast alles einfach so beim Schreiben entsteht. Ich bin ein Discovery Writer, d. h. bis auf wenige Fixpunkte schreibe ich tatsächlich so ziemlich drauflos und entdecke. Was meine Protagonistin Ines Fox angeht, habe ich ihr ein paar Aspekte von mir mitgegeben, was sich zwangsläufig ergibt, wenn man als Icherzähler auftritt. Der weitaus größere Teil ist allerdings frei erfunden. Etwas offtopic, aber vielleicht trotzdem interessant: Mein zweiter Vorname lautet Ines. Ich habe nicht wirklich etwas für meine Vornamen übrig, schon gar nicht pflegte ich eine Beziehung zu meinem zweiten Vornamen. Als ich überlegte, wie meine Protagonistin heißen könnte, habe ich die Entscheidung erst mal vertagt und einen Arbeitsnamen, einen Platzhalter eingesetzt. Ines. Dann wäre das Teil in seinem Leben wenigstens einmal für etwas gut gewesen, als Platzhalter für einen echten Namen, dachte ich. Diesen echten Namen wollte ich mir in aller Ruhe ausgucken. Mir schwebte vor, er sollte wohlklingend sein, auf A enden, viel Weiblichkeit mitschwingen lassen und weder zu häufig noch zu selten vorkommen. Aber wie das mit Provisorien ist, man gewöhnt sich schneller daran, als einem lieb ist. Irgendwann fand ich den Namen Ines im Kontext des Buches okay, dann hat der Name sich mit Leben gefüllt und schließlich weigerte er sich, zu gehen. Und irgendwie passt das auch alles zur Figur Ines.
Es passt, dass sich schon ihr Name so widerspenstig zeigte.

4. Wenn Du eine traurige, witzige oder spannende Szene schreibst, fühlst du dann mit?

Ja na klar! Ich lache, ich weine, ich kichere albern herum, ich bin gespannt und aufgeregt, wie es weitergeht. Was ich vorher nie gedacht hätte: Es ist viel spannender einen Krimi zu schreiben, als einen zu lesen, was auch daran liegen muss, dass ich oft auf der Hälfte des Buches noch nicht weiß, wer der Mörder ist und warum. Echten Krimiautoren, die wasserdicht plotten,
stehen jetzt bestimmt die Haare zu Berge. Dafür muss ich im Nachhinein einiges richten, was beim ersten Wurf nicht getroffen hat, wo Dinge nicht zusammenpassten.

5. Warum schreibst du ausgerechnet im Krimi Genre? Was fasziniert dich daran?

Die Inspiration des ersten Buches kam – wie oben beschrieben – durch ein Paar Schuhe auf der Seestraße. Die Gedankengänge, die dieser Moment bei mir angeworfen hat, gingen instinktiv in Richtung Krimi. Was, wenn diese Schuhe mit einem Verbrechen zusammenhingen? Ich lese und schaue gerne Krimis, am liebsten, wenn sie mit Humor daherkommen. Insofern habe ich
das Genre gewählt, das ich selbst mag. Obwohl ich zu Anfang noch recht unbefleckt in Sachen Schreibwissen war, so habe ich zumindest das recht schnell erfahren: Schreibe, was du selbst gerne liest.

6. Was machst du hinterher, wenn das Buch beendet und veröffentlicht ist? Stürzt du dich gleich in den nächsten Schreibmarathon?

Die Tage um die Veröffentlichung sind eine wunderbare Zeit, einerseits. Andererseits ist es auch eine furchtbare Zeit, denn es gibt den Projektende-Blues. Ich falle in eine Loch, eine gewisse Leere macht sich breit. Da bin ich nicht allein, das ist ein allgemein bekanntes Phänomen. Trotzdem hat es mich auch dieses Mal wieder mit voller Wucht getroffen, gleichsam hinterrücks.
Da hat man die letzten Wochen und Monate ran geklotzt, um das Buch auf den Weg zu bringen, Fleißarbeit war gefragt, schließlich ging es um Korrekturen und technische Hürden, die es zu nehmen galt. Dann kam die interaktive Phase, der Austausch mit den Testlesern, zwischendurch weitere Korrekturen, dann die Zusammenarbeit mit dem Coverdesigner, die Leserunde
bei Lovelybooks, der Kontakt zu den Bloggern, die ersten Rezensionen zum eBook, denen man entgegenfiebert, angespannt und etwas ängstlich, aber entgegenfiebert. Dann die Freude, wenn jemand zurückmeldet, es hätte gefallen, man hätte sich amüsiert … das alles ist Trubel, mit Leben und Aktion gefüllt, viel mehr, als das Schreiben an sich. Und plötzlich ist das gedruckte Buch da und ein Abgrund tut sich auf. Ja, ich dramatisiere hier etwas, aber es ist vielleicht auch für LeserInnen interessant zu erfahren, dass es so was gibt. Nun erwischt mich das Interview just in dem Moment, in dem ich mich aufmache, den Blues zur Seite zu schubsen und dafür zu sorgen, dass sich Ines Fox ihrem vierten Fall widmet. Und wie das so mit dem Schreiben ist, alleine hier zu veranschaulichen, was in mir vorgeht, hilft schon, dass es besser wird. Schreiben ist einfach für so vieles gut. Wer es noch nicht probiert hat, dem kann ich es nur wärmstens empfehlen.

7. Wie wichtig sind dir die Rezensionen der Leser?

Sehr wichtig! Enorm, außerordentlich, unfassbar wichtig! Dabei gibt es zwei Aspekte. Einerseits die Rückmeldung, das Feedback, das darin steckt, das Lob oder die Kritik. Es entspricht dem Kommentar, den mir manche LeserInnen lieber persönlich oder per Mail übermitteln. Jede Fünfsterne-Rezension und jede positive Mitteilung ist wie eine Umarmung, manche wie ein Kuss, andere wie ein scheues Lächeln, wieder andere wie ein anerkennendes Schulter-
klopfen. Jede Kritik ist wertvoll, meist denken noch andere Leser so, wenn ein Detail nicht gefällt. Als Autorin tut man gut daran, zuzuhören und gut nachzudenken, was man daraus macht. Ein Schlag in die Magengrube war bisher noch nicht dabei, aber auch darauf muss man gefasst sein. Natürlich schreibe ich gerne, auch ohne dass jemand liest, was ich fabriziere. Aber
es zu tun und zu erfahren, dass ich damit anderen Menschen eine Freude mache, dass ich ihnen ein paar Stunden versüßt habe, sie zum Schmunzeln oder gar Lachen bringen konnte, das erfüllt mich. Von derartigen Rückmeldungen, von Anerkennung und Austausch dieser Art kann ich gar nicht genug benommen. Ich befürchte, ich bin regelrecht süchtig danach. Auf der anderen Seite ist da die enorme Wichtigkeit, die Rezensionen für den Erfolg eines Buches haben. Ich bin überzeugt, dass Selfpublisher heute gute Rezensionen brauchen, sie nicht ohne sie auskommen können, wenn sie erfolgreich sein möchten. Erfolgreich heißt für mich, dass ein Buch in nennenswerter Zahl gelesen wird. Ich rede hier also nicht vom finanziellen Erfolg, weil er für mich persönlich erst an dritter Stelle kommt. Meine Bücher wollen gelesen werden. Dazu brauchen sie Rezensionen, um in einem kleinen Wellental des Meeres von Büchern kurz aufzutauchen. So werden sie für einen Augenblick sichtbar und erhalten die Chance, dass andere LeserInnen ihm einen Teil ihrer Lesezeit anvertrauen und – im besten Fall – wieder eine Rezension verfassen oder anderweitig verbreiten, dass es sich lohnt, Bücher von diesem Autor, von dieser Autorin zu lesen. Wer von bestimmten Autoren mehr lesen möchte, sie unterstützen möchte, für den ist das Schreiben von Rezensionen der längste Hebel, die Aktion, mit der man am meisten bewirken kann. Autoren, deren Bücher nicht erfolgreich sind, weil sie nicht gelesen werden, werden vermutlich nicht aufhören zu schreiben. Aber sie werden vielleicht aufhören zu veröffentlichen.

8. Was ist bis jetzt der Schönste Moment in deiner bisherigen Zeit als Autorin gewesen?

Ich habe immer Probleme damit das Schönste, Beste, Leckerste zu küren. Ich habe kein einzelnes Lieblingsgericht, ich bin Anhängerin von Top 5 oder Top 10 Listen. Hier also die Top 5 Momente, die mich als Autorin glücklich machen, ohne priorisierte Reihenfolge. Die Schmetterlinge im Bauch, wenn mir eine Szene, eine Wendung oder ein Satz besonders gut gelungen ist; ich kann mich regelrecht in einen Satz verlieben. Jedes Mal, wenn eine Rezension online geht, wobei die ersten ihrer Art ungeheuere Schlagkraft haben, aber auch jede andere Rückmeldung und Anerkennung, die ich erfahre, sei es aus meinem persönlichen Umfeld, sei es durch jemanden, dem ich zufällig auf einem Spaziergang begegne, sei es durch weit entfernt wohnende Leser, mit denen ich mich schriftlich austausche. Durch das Schreiben von Büchern lerne ich fast täglich viele liebe Menschen kennen, kann ihnen Gutes tun, und das zu lesen oder zu hören ist wunderbar. Auf eine ganz andere Weise wunderbar ist es, das jeweils erste gedruckte Buch in Händen zu halten – was verrückt ist, weil das eBook in jeder Hinsicht viel wichtiger ist und ich selbst auch nur eBooks lese. Dann ist da das Ranking bei Amazon. Der Moment, wenn Dein Buch in der Liste der Neuerscheinungen gegenüber Nele Neuhaus und querab von Gisa Pauly steht … unbezahlbar.
Und ich genieße es sehr, mein Buch vorzulesen und Reaktionen auf einzelne Szenen hautnah zu erleben. Vielen lieben Dank für diese wundervolle Frage, liebe Alexandra. Sie hat mir gerade die Augen geöffnet. Ich muss unbedingt wieder eine Lesung planen.

9. Wie vereinbarst du das Schreiben mit der Familie? Bekommst du Unterstützung von deiner Familie?

Meine kleine Familie besteht aus dem besten Schriftstellerinnengefährten aller Zeiten, mir und unserem Hund Fila. Das sagt schon viel aus, denke ich. In dieser kleinen Einheit erfahre ich unsagbar viel Unterstützung. Ich würde gerne aus der Danksagung aus „Seekoller“ zitieren: „Der beste Schriftstellerinnengefährte aller Zeiten ist mein Erstleser, Zweitleser und Am-Ende-mehrmals-Leser. Er motiviert, packt Wind unter meine Schwingen, wenn die schriftstellerische Thermik mal nachlässt, hinterfragt kritisch, genießt aber auch und freut sich mit, wenn mir etwas gut gelungen ist. Er ist mein Admin, beantwortet IT-technische Fragen, ist immer zu einer Diskussion bereit, kann zuhören, wie keiner sonst, und versorgt mich, wenn ich vor lauter Schreiben keinen Nerv für Profanes habe, wie Essen zu kochen. Im dritten Teil hat er Ines und mich zudem erstmalig in Kampftechniken beraten. Danke Dir für alles, Liebe meines Lebens. Ohne Dich ist alles nichts! Bis zur Unendlichkeit und weiter <3“. Ja, ich schmelze selbst auch immer wieder dahin …
Darüber hinaus unterstützen mich viele in meiner Familie und meinem Freundeskreis, zum Beispiel als Testleser. Auch zeigen sie großes Interesse an allen Aspekten des Schreibens und der Buchveröffentlichung. Das ist wirklich schön und unterscheidet sich deutlich von der Kommunikation über unser Softwareunternehmen, vielleicht, weil der gemeinsame Nenner ein anderer ist. Übrigens ist aus meiner Warte auch die Art und Weise, wie fremde Menschen mir als Schriftstellerin begegnen, anders, wenn ich es damit vergleiche, wie sie mir als Unternehmerin gegenübertreten.

10. Wenn du an die Schule zurückdenkst; Was war da dein liebstes und welches dein verhasstestes Fach – und wieso?

Mein verhasstestes Fach war … Trommelwirbel … Deutsch. Wirklich. Ich habe es gehasst, so sehr gehasst, vor allem in der Oberstufe. Zuvor war ich eine Leseratte, der Deutschunterricht hat es mir erfolgreich abgewöhnt. Lag es am Lehrer? Nein. Die Lehrer wechselten. Es lag am Stoff. Es lag daran, was man lesen musste und wie man sich mit Literatur beschäftigen musste. Mich hat alles gestört. Meine Lieblingsfächer waren Sport und Musik. Für die Antwort musste ich tatsächlich kurz nachdenken, und zwar nicht nur, weil es schon etwas her ist. Jetzt philosophiere ich, was das wohl über mich aussagt. Eine Schriftstellerin, die Deutsch hasste und sich lieber mit Musik und Sport beschäftigte. Huiuiui, von der würde ich aber sofort was lesen wollen. Sind Bücher nicht Sinfonien aus Worten? Hach!